Geschichte

Inhalt:

Schweiz 1550 - 2002
Ausland
Entwicklung des Wurfgerätes "Platzge"



Schweiz
Platzgen (Minidemo-Film) ist ein Wurfsport, von dem die Chroniken erzählen, dass er unter vielen Bezeichnungen schon im Mittelalter in fast allen Gebieten unseres Landes betrieben wurde.
Neben "Platzgen" und "Plattenwerfen" werden, je nach Landesgegend, auch Begriffe wie "Tötzlen", "Plättlen", "Le Palet", "Jouer aux couthions", "Giovar a plattas", "Dar a passers", "Dar il Buc", "Igl stichel", "Geissgüggele", "Plattenschiessa", "Le jeu de la quille cavalière", "Stöckle", "Stöcklen", "Platta stechel", "Aux boutons", "Platschgere" u. v. a. verwendet.
Nicht nur die Begriffe für diesen Sport sind verschieden, auch die Regeln und Spielformen haben je nach Austragungsort eine andere Ausprägung.

Im Folgenden einige bemerkenswerte Geschichtchen aus den Annalen des Platzgens

1550
In Poschiavo wird das Blattenschiessen in den gedruckten Statuten verboten.

1555
Die Berner verboten das "Blattenschiessen" auf der Schützenmatte.

1627
Zürcher Mandat zum Thema Platzgen: "Wir wöllent, dass die jungen Mannschaft ihr Kurzweil mit Blattenschiessen, Kegeln, Ballenschlahen und Steinstossen wool haben möge; allein dass von Zusähern kein Gwett derby getrieben werdint."

1680
Pfarrarchiv Wangen a. A. 1680: 15. 8. "Es ist vor Chorgericht erkent worden über Hans und Peter Strasser, dass wie sie oongeacht etlichmal an sie vorganglich chorgerichtlichen Mahnungen des sontäglichen kaigelns und blattenschiessens nicht müssig gangen, sie zu wohlverdienter Straaf 24 stund incarceriert werden und jeglicher zuhanden des Chorgerichts erlege 10 s."

1700
Schaffhausen, Hallau 1700: "Auf betreiben der Geistlichen wird Kegeln, Blättlen und andere Ungebühr, durch welche der Sabbat entheiligt werden möchte, abgeschafft".

1773
An der Chorgerichtssitzung in Oberdiessbach wurde folgendes Urteil gefällt und in den Manualen niedergeschrieben: "Bendicht und Hans Aebersold werden wegen 'stöcklen' und 'Blattenschiessen', wobei sie auch gezankt haben, gemassregelt."

1860
In Ringgenberg schoss man noch bis 1860 mit 1-2 kg schweren Steinplatten nach einem 10-15 m entfernten Ziel. Das Wiederholen des Blattenschiessens nach einem missglückten Wurf nannte man "pifren". Dieser Ausdruck war auch bei den Brienzer Buben während ihres "Stöcklens" gebräuchlich.

1888
Im Niedwaldner Kalender steht: "Scharmante junge Männer sind auf Besuch gekommen, sind Tag und Wochen dageblieben, haben die Zeit vertrieben mit Niggelschlagen, Blattenschiessen und Mutteli drölen."

1900
Seit der Jahrhundertwende und insbesondere zu Beginn der 20er-Jahre, wurden in der Umgebung von Bern und Thun die ersten Platzgerklubs gegründet. Dazumal wurden auch die ersten Wettspiele mit sportlichem Wettkampf Charakter ausgetragen.

1928
Der Hotelier Gian Saratz, Pontresina, verwendet zum Platzgen eine Eisenwurfplatte mit Seitenlänge 5,5 cm und einem Gewicht: 200 g.

1932
Die erste, von mehreren Klubs besuchte Veranstaltung war das Frühlingsfest in Ostermundigen. Die Sektionen haben dabei auf Komando geworfen.

1933
Am 5. Februar, treffen sich im Restaurant Tiefenau die Klubs Bümpliz-Rehag, Bümpliz-Könizberg, Deisswil-Stettlen, Felsenau, Schönbühl, Zollikofen und Ostermundigen, um den Kantonal-Bernischen Platzgerverband zu gründen. Mit Steingrüebli-Ostermundigen und Bethlehem stossen noch im Gründungsjahr zwei weitere Klubs zum Verband.

Der Verein Steingruebli-Ostermundigen wird ins Leben gerufen. Er übernimmt mit kleinen Anpassungen die Statuten der Sektion Bümpliz. Der Jahresbeitrag kosten 2 Franken, obligatorische Übungen 9 Franken, wer den Übungen unentschuldigt fernbleibt , bezahl 1 Franken Busse.
Während der Übungen werden 4 Ris a 3 Schüsse notiert. Jedes Ris kostet 25 Rappen. Alle anwesenden Platzger werden "zusammengemessert". Dies ergibt 2 Parteien, genannt weit & nah. Diejenige Partei, die am Ende des Spiels weniger Punkte aufweist, muss pro Mann und Ris 25 Rappen in die Klubkasse einbezahlen.

1934
Die ersten Statuten werden in Kraft gesetzt. Der Verband zählt 9 Klubs mit insgesamt 100 Aktiven.

1938
In Zürich-Altstetten wird der Platzgerklub "Bärner-Mutzen" gegründet.

1942
Durchführung der 1. Platzgermeisterschaft mit 92 Teilnehmern.

1943
In Ostermundigen findet das Kantonale Verbandsfest statt.

1946
Der Berner Kantonal-Verband wird in die Unterverbände Mittelland, Emmental- Oberaargau und Oberland aufgeteilt. Es wird der erste offizielle Propagandist gewählt.

1951
"Platzger-Sport" erscheint zum ersten Mal. Das Verbands-Organ soll 12-mal pro Jahr publiziert und an alle Mitglieder versandt werden.



1952
An der Frühjahrs-Sitzung des Zentralvorstandes (Z.V.) in Thun wurde beschlossen, dass anlässlich der Meisterschaft ein Landesteil-Match durchgeführt werden soll, und zwar von 16 - 18 Uhr, wenn die Ris frei werden. Jeder Unterverband (vom Berner Kantonal-Verband) stellt soviele Platzger wie er Klubs hat. Das Mittelland 20, das Oberland 15 und das Emmental-Oberaargau 8. Jeder Platzger hat 3 Probewürfe und 12 aufeinanderfolgende Würfe die zählen.
Derjenige Unterverband, der den grössten Durchschnitt erreicht, erhält den Wanderpreis (ein wunderschöner Adler, von den "Holzkünstlern" in Brienz geschnitzt, Beschaffungspreis CHF 150).
Den Wanderpreis gewann im ersten Jahr: Mittelland mit 1074 Durchschnitt, vor Oberland mit 1062 und dem Emmental-Oberaargau mit 968 Punkten im Durchschnitt.
Die besten Resultate erzielten: Lehmann Fr. 1161 P. (Oberland) / Wegmüller E. 1142 P. (Mittelland) / Künzi E. 1071 (Emmental)

1957
Der Kantonal-Bernische Verband erhält neue Statuten und ein revidiertes Festreglement.

1958
Hans Bachmann (Wylerstand) erzielt an der Grossmeisterschaft das Rekordergebnis von 2956 Punkten

1963
Christian Aegerter wird als höchster Platzger ins Amt des Zentralpräsidenten gewählt.

1967
Ernst Nydegger (Bümpliz-Waldegg) gewinnt die Meisterschaft in Zollikofen mit 2941 Punkten


1979
Die beiden ausserkantonalen Klubs Falkenstein-Niedergösgen (SO) und Berntor-Murten (FR) werden in den Kantonal-Bernischen Platzgerverband aufgenommen.

1982
Der Berner Kantonalcup wird eingeführt.

1983
Christian Aegerter jun. Wird für seine 20 Jahre Tätigkeit als Zentralpräsident zum Ehrenpräsidenten gewähl. Im Oktober wird im Hotel National in Bern das fünfzigjährige Bestehen des Kantonal-Bernischen Platzgerverbandes gefeiert.

Christian Ägerter (Steffisburg-Stutz) gewinnt die Meisterschaft in Heimberg mit 2931 Punkten

1985
Platzgen wird in den Schweizerischen Landesverband für Sport (SLS) aufgenommen.

1988
In Spanien an der Playa de Aro wird das erste Platzger-Trainingslager durchgeführt.

1990
Ein Nachwuchskonzept wird ausgearbeitet, um den Mitgliederschwund im Verband aufzuhalten.

1991
An der Delegiertenversammlung in Heimberg wird das Nachwuchskonzept in Kraft gesetzt.

1992
Das erste Dreiländerturnier findet im oberösterreichischen Braunau mit Mannschaften aus Deutschland, Österreich und der Schweiz statt.

1993
Christian Aegerter, Ehrenpräsident und seit 30 Jahren als höchster Platzger im Amt, übergibt das Amt des Zentralpräsidenten an Paul Gertsch.

1993
Im Freilichtmuseum auf dem Ballenberg wird mit 200 Teilnehmern der erste Ballenberg-Cup ausgetragen.

1994
In Biberist werden an der Delegiertenversammlung die revidierten Statuten und Reglemente genehmigt und in Kraft gesetzt.

1998
An der 65. Delegiertenversammlung in Krauchthal wird der Beschaffung einer EDV-Anlage zugestimmt. Mit dieser Investition soll künftigen Festorganisatoren die Arbeit im Rechnungsbüro erleichtert oder gar abgenommen werden.

1999
Der siebte Ballenberg-Cup, organisiert vom Platzgerclub Brienz und der Museumsleitung wird mit 1173 Punkten vom 48-jährigen Emmentaler Kurt Künzi zum ersten Mal gewonnen. 140 Teilnehmer waren dabei.

2000
Am Europapokal in Pocking (Bayern) wurden folgende Beschlüsse gefasst:
1. Der Europapokal findet nur noch alle zwei Jahre statt. 2002 in Oberösterreich
2. Die Teilnehmer dürfen auf ihre im jeweiligen Land geltende Distanz werfen (die Schweizer auf 17m, die Bayern auf 18m und die Österreicher auf 19m, Anlauf bei allen 1,5m)
3. Die Teilnehmerbeiträge werdenkünftig nicht mehr in DM sondern in EURO bezahlt.

Paul Stoll (Jahrg. 59) gewinnt die Kantonal-Bernische Platzger Meisterschaft mit 2'677 Punkten.

2001
Der Platzgersport geht mit www.platzgen.com aufs Internet. Dies ist neben dem PC Steingrüebli die zweite Internetsite mit Informationen aus dem Platzger-Sportgeschehen.

Erstmals wird ein Kantonaler Cup für Mannschaften organisiert. Sieger wird der PC Schüpfen mit 884.8 Punkten vor Rüschegg mit 874.4 Punkten.

Der "Platzger - Sport", das Organ des Kantonal - Bernischen Platzgerverbandes geht in den 50. Jahrgang. Erscheint 12 Mal pro Jahr und kostet CHF 26

8 Platzger reisen mit einer Schweizer Sportdelegation nach Leuven (Belgien) und demonstrieren den Belgiern im Rahmen des Jubiläums "575 Jahre Katholische Universität Loeven" die Sportart Platzgen.

Paul Gertsch kündigt auf die nächste Delegierenversammlung nach 9 Jahren Zentralpräsident den Rücktritt an. Sein Ziel für 2002: 500 aktive Platzger und 40 aktive Damen.


2002
An der Delegiertenversammlung vom 3. Feb. in Neuenegg wird der Platzgerclub Toffen aufgenommen. Der Abonnements-Preis für das Verbands-Organ "Platzger - Sport" bleibt bei CHF 26. Die Kantonale Wettspielmeisterschaft werden die nächsten 5 Jahre nicht durchgeführt.

Die Platzgerinnen haben ihre Reglemente angepasst und genehmigt. Es ist nun vorgesehen, die Damen als ein Klub an der Delegiertenversammlung 2003 mit 2 Delegiertenstimmen und ev. einer Funktionärin für Frauenfragen im KBPV aufzunehmen.

Im Juli wird in Oberösterreich wird der Europapokal durchgeführt


2003
Der Europapokal fällt dieses Jahr aus



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Ausland
Ähnliche Spiele gibt es im benachbarten Elsass, Bayern, und Oesterreich, wobei die Wurfkörper, die Distanzen und die Regeln jeweils etwas verschieden sind. Auch werden die Namen "Plattenwerfer" oder "Plattler" verwendet.
In Kalifornien werden Hufeisen als Platzge eingesetzt.

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Entwicklung des Wurfgerätes "Platzge"
Mancherorts wurden von den Jungen so genannte Bleiblutzger gegossen und zum Stöcklen verwendet.
Ein gewisser P.A. Gilly aus Zuoz verwendete eine bekannte Bleiwurfplatte mit Kerbe zum Fassen. Sie hatte einen von Durchmesser von 7,7 cm und ein Gewicht von 500 g.

Gia Tramer aus Schanf spielte mit einer speziellen Platzge mit vorstehenden Spitzen. Diese Platzge wurde vom Körper weg waagrecht abgeworfen, sodass sie sich mit den vorstehenden Spitzen in den Boden einkrallen und stecken bleiben konnte.

Eine Eisenwurfplatte verwendete 1828 der Hotelier Gian Saratz in Pontresina mit einer Seitenlänge von 5,5 cm und einem eher leichten Wurfgewicht von 200 g.

Die gebräuchliche Platzge aus dem Jahr 2000 wiegt ca. 2,3 kg, und darf einen Durchmesser von 18 cm haben - jedoch keinen Zentimeter mehr. Dies ist die einzige Vorschrift zum Wurfkörper, und die meisten Aktiven verwenden eine Platzge mit diesen Massen.

Bilder: Geschichte der Platzge

Quellen: Platzger-Verband
und Christian Zimmermann, Propagandachef Platzgerverband

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